Giornale di Sicilia - Sind Mafia-Killer genetisch anders gestrickt?

  • ein Gespräch mit Prof. Dannie Connell (Psychologe, Gesundheitsbehörden Los Santos)


    Krank, irr, durchgeknallt, eine Bestie oder schlicht ein Monster. Für die Beschreibung eines Killers der Cosa Nostra, der in Los Santos im Laufe des letzten Jahres mutmaßlich über 70 Menschen ermordet hat, gibt es viele Adjektive und Metaphern. Es wäre beruhigend, diesen Menschen als psychisch gestört abzustempeln, als brachialen pathologischen Ausnahmefall. Doch Ärzte, Kriminalisten und Soziologen sehen bei diesen Mafia-Killern eine Ausnahmesituation. In den eng verstrickten“ Famiglias“ werden Kinder schon von Anfang an durch eine straff gesteuerte Erziehung auf ihr späteres „Wirken“ vorbereitet.


    Das Klinikum von Los Santos bietet einen angenehmen Kontrast zum lauten Chaos der Stadt. Bereits die wohlgeordneten Straßen und Parkplätze, die gepflegten Grünflächen und Betonfassaden vermitteln einen Hauch von Idylle, wie er in Los Santos sonst nur schwer zu finden ist. Auch im Inneren der Fakultät für Psychologie mit ihren Ausschilderungen, Aushängen und Büroschildern erscheint alles wohlgeordnet. Lediglich die notorisch defekten Junkfood Automaten erinnern den Besucher noch daran, dass er sich weiterhin in San Andreas befindet.


    Professor Connell schon begann vor einigen Jahren mit seinen Forschungen über die Mafia. Ihm war klar: Wer die Mafia bekämpfen will, muss sie erst einmal kennen lernen. Connell holte sich Psychologen, Soziologen, Historiker, Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler und auch Vertreter der Justizbehörden von San Andreas in sein Team um der Sache breitgefächert auf den Grund zu gehen.
    Die große Frage war: Wie kommt man in einer Gesellschaft der Omerta, in der Verschwiegenheit und Misstrauen gegenüber Fremden herrschen, an Informationen über die Gedankengänge eines Killers? Prof. Connell hatte die Gelegenheit, mit Familienangehörigen diverser Zielpersonen Therapiegespräche zu führen. Viele Frauen die unter Einsamkeit, unter Sorgen und Zukunftsängsten litten, weil ihre Männer wegen Auftragsmorden verhaftet wurden, wandten sich in ihrer Not an ihn. Doch auch die Gespräche mit Pentiti, mit reuigen Aussteigern, sowie mit Richtern und Staatsanwälten, die etwa über geheimes Abhörmaterial verfügen, sind wichtige Quellen für seine Arbeit.


    Man wird als Mafioso geboren, so Prof. Connell, doch man wird auch dazu gemacht. Es gibt nach offiziellen Angaben in San Andreas 150 initiierte Mafiosi, also solche, die in Mafia-Familien hineingeboren und entsprechend sozialisiert werden, und – so sie sich als tauglich erweisen – als junge Erwachsene in einem feierlichen Ritus in die Cosa Nostra aufgenommen werden. Daneben gibt es unzählige Handlanger und Fußsoldaten, die aber an dieser Stelle nicht weiter von Interesse sind.
    Die Sozialisation des Heranwachsenden läuft vor allem darauf hinaus, den Jungen zu einer durchsetzungsfähigen Persönlichkeit heranzubilden, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckt, und sich stets an die Schweigepflicht, die Omerta, hält. Von Beginn an wird der Junge wie ein zukünftiger Gangster behandelt. Es wird ihm schon früh etwa beigebracht, dem anderen Kind aus der Klasse Schläge zu verpassen, wenn es ihn ärgert oder auch nur schief anschaut. Die Eltern achten streng auf den Umgang des Kindes. Kinder von Ordnungshütern jeglicher Art, sind jemand, mit denen sich ein kleiner Mafia-Junge besser nicht zeigt. Er sollte sowieso eher schweigen als zuviel mit Anderen zu sprechen.


    In der eng vernetzten Familie übernehmen auch andere Mitglieder eine wichtige Rolle in der Erziehung der Kinder. Insbesondere das langsame Heranführen an das Morden wird von ihnen übernommen. Wie angesehen ein Mitglied der Famiglia am Ende ist, misst sich eben auch an der Anzahl der Morde, die er begangen hat, und an deren Kaltblütigkeit.


    Schon im Alter von 11-13 Jahren beginnt das Training für den gewissenlosen Mord, so berichtet uns der Psychologie-Professor. Zuerst geht es um Fausthiebe und Schläge mit einem Gegenstand und mit 14 oder 15 kommen schließlich Handfeuerwaffen ins Spiel. Als nächsten Schritt nimmt man ihn zu einem Mord mit, bei dem er zunächst nur zuschauen darf. In einem weiteren Schritt darf er dann einen Schuss auf das bereits tote Opfer abfeuern. Er ist dann irgendwann soweit, dass er selbst an der Schießerei teilnimmt und als Krönung und absoluten Beweis seiner Männlichkeit darf er schließlich den ersten Schuß abfeuern.


    Das Ergebnis dieser Sozialisation ist erstaunlich. Connell berichtet von “Familienmitgliedern”, die auch nach ihren Morden keinen Gedanken mehr daran verschwendeten und von keinerlei Albträumen geplagt wurden. Auch bei Verhaftungen wirken Mafiosi emotionslos und scheinen nicht ängstlich. Connell zufolge widerlegt dies die gängigen psychologischen Theorien, denn bei normalen Menschen müsste sich früher oder später das Gewissen bemerkbar machen. Schaut man sich die mafiose Sozialisation jedoch an, so scheint es, dass dieses effektiv abtrainiert werden kann. Erst wenn man die ehrenwerte Gesellschaft verlässt, so der Professor, bricht die mafiose Wir-Identität zusammen und wird eine Menschwerdung wieder möglich. Dies scheint jedoch ein sehr hochgestecktes Ziel zu sein. In der Regel ist der einzige akzeptable Austrittsgrund aus dem Verbund der Mafia..... der Tod.

  • Johnny Fontane, der sich am Abend noch die Nachrichten der Giornale di Sicilia durchliest, kann dem Artikel nur ein müdes Lächeln schenken. "Als ob wir so gestrickt sind... Das ist doch wieder nur Propaganda..." Johnny Fontane überlegt kurz und plappert vor sich: "Naja bei manch anderen Familien sind die Methoden wirklich so..."


    (Sehr netter Artikel, auch mit wahrem Hintergrund, sowohl zu uns, als auch zu der Mafia im RL.)


    Entweder ist gleich deine Unterschrift auf dem Vertrag, oder dein Gehirn.
    gez. Johnny.Fontane